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Analyse
Eva Winterer
Weshalb müssen wir aufhören, den Untergang der Demokratie zu verwalten?

Und so erklärt sich auch die Lähmung, von der dieser Essay ausgegangen ist. Jeder Wahlerfolg der Rechten löst Alarm aus, der Blick kreist um den Gegner, und die Bedingungen, aus denen der Erfolg entstand, bleiben unberührt. Die demokratische Mitte spricht in der Vergangen­heits­form, sie will verteidigen, bewahren, erhalten, doch Bewahren ist keine Vorstellung von morgen. Die nationale Rechte verspricht Kontrolle, die technologische Rechte Superintelligenz und Netzwerkstaaten; man kann beides zurückweisen, an Zukunft fehlt es ihnen nicht. Wer sich auf Verteidigung beschränkt, überlässt anderen das Monopol auf morgen.

Spotlight
Gerhard Ruiss
Breaking-News-Lehrstück in 3 Akten

Wer nicht wegsehen will, kann derzeit bei einem äußerst degoutanten Schauspiel zusehen, wie sich Glaubwürdigkeit und Demokratie von innen heraus zerstören lassen:

Spotlight
Christoph Jonas Kolb
Schule und Hochschule als Orte demokratischer Urteilsbildung in einer digitalen Gesellschaft

Plattformen bestimmen mit, welche politischen Inhalte wir sehen. Generative künstliche Intel­ligenz verändert zusätzlich, wie Informationen entstehen. Damit verändern sich die Bedin­gun­gen demo­kra­tischer Urteilsbildung. Digitale Mündigkeit umfasst die Fähigkeit, Informationen und technische Einflüsse zu beurteilen, die eigenen Daten zu schützen und die Rechte anderer zu achten. Digitale Mündigkeit sollte deshalb verbindlich in Unterricht und Lehre verankert werden.

Analyse
Ilyas Saliba
Verändert zunehmender politischer Druck die Bedingungen von Wissenschaftsfreiheit – und was bedeutet das für demokratische und offene Gesellschaften?

Wenn wissenschaftliche Forschung eingeschränkt wird – sei es durch politische Steuerung, ökonomischen Druck, Selbstzensur, oder Versicherheitlichung –, verliert die Gesellschaft eine zentrale Ressource: die Fähigkeit zur kritischen Selbstbeobachtung. Wissenschaftsfreiheit ist daher kein reines Elitenrecht von Professor*innen, sondern ein hohes öffentliches Gut. Sie betrifft nicht nur Forschende, sondern sie hat Auswirkungen auf die Innovationsfähigkeit, das kritische Denken in unseren Gesellschaften und die Qualität demokratischer Entscheidungsprozesse insgesamt.

Analyse
Matthias Schnetzer
Warum gefährdet Vermögenskonzentration die Demokratie?

Demokratien leben davon, dass Bürger:innen darauf vertrauen können, dass die vereinbarten Regeln für alle gelten. Wenn jedoch der Eindruck entsteht, dass sich einzelne Vermögende die­sen Regeln entziehen können, schwächt dies das Vertrauen in die demokratischen Institutionen. Die Frage der Vermögensverteilung kann daher nicht auf eine Neiddebatte reduziert werden. Sie betrifft die grundlegende demokratische Frage, wie stark wirtschaftliche Ressourcen die Verteilung politischer Macht beeinflussen dürfen.

 

Weltweit geraten Demokratien unter Druck. Das Wiener Forum setzt sich in einem inter­disziplinär aus­gerichteten Blog mit grund­legenden Fragen des Schutzes und der Förderung der Demokratie und der Menschen­rechte auseinander. In Spotlights, Analysen und wissenschaftlichen Beiträgen finden Sie fundierte Analysen zum Zeit­geschehen und Impulse zu rechtlichen, politischen und zivil­gesell­schaftlichen Wider­stands­formen. Das Projekt ist unserem Kollegen Hannes Tretter in memoriam gewidmet.