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Rede
Josef Haslinger
Eine Bestandsaufnahme der Politik der Gefühle

Die These, mit der ich damals die Phänomene des Waldheim-Wahlkampfs zu fassen versuchte, scheint mir keineswegs veraltet zu sein. Eine diffuse Angst, die in Zeiten globaler Umbrüche gewiss ihren berechtigten Platz hat, wird in Kanäle gelenkt, hinter denen die Aussicht auf neue messia­nische Rachegötter steht, die eine neue Ordnung herstellen werden. Den Anhängern soll suggeriert werden, dass sie im Umfeld einer feindseligen Parteien- und Medienlandschaft verraten, verkauft und verfolgt werden, worauf es nur eine sinnvolle Reaktion gibt, nämlich sich wehrhaft hinter ihren Führern zusammenzuschließen.

Wissenschaftlicher Beitrag
Clara Krainhöfner
Warum im Einwanderungsland Österreich Erleichterungen beim Erhalt der Staatsbürgerschaft geboten sind

Hohe Anforderungen zur Erlangung der Staatsbürgschaft treffen also in Österreich auf einen steigenden Anteil der Bevölkerung ohne österreichische Staatsbürgerschaft. Allein aufgrund dieser demografischen Entwicklung sollte daher angedacht werden, die Verleihung der Staatsbürgerschaft einer größeren Personengruppe zu ermöglichen. Warum dies aus menschenrechtlicher, gesellschaftlicher und demokratiepolitischer Sicht relevant ist, soll im Folgenden erläutert werden.

Spotlight
Marie Rötzer
Oder: Was hat das Theater mit Demokratie zu tun?

Im Theater, im gemeinsamen Beobachten des Spiels, fand das Volk zu einem gemeinsamen Konsens über die Frage, wie man zusammenleben will – ein symbolischer Schulterschluss zwischen Kunst und politischer Mitgestaltung. Es entwickelte sich ein humanistischer Wertekanon, ein Grundstein unserer Demokratie. Ist das Theater als analoge Kunstform vielleicht die letzte Bastion, in der wir uns über gemeinsame Werte verständigen können?

Analyse
Evelyn Regner

Mit Blick auf die gesamte Europäische Union lässt sich aktuell deutlich erkennen wie sehr demokratische Institutionen und Werte bröckeln. Mit den Grundwerten der Sozialdemokratie haben wir ein starkes Instrument diesen demokratiefeindlichen Entwicklungen entgegenzuwirken.

Spotlight
Haralampi G. Oroschakoff

Wenn kreative Bewegung sichtbar wird, ist der Betrachter angerufen, sein Denken und seine ange­nommenen Vorstellungen zu hinterfragen und im Zweifel zu erneuern. Der Künstler propagiert eine an Brutalität grenzende Sachlichkeit, die keine Vorlieben, keine Therapieersatzspiele, oder kleinbürger­liche Autonomieillusionen bedient, stattdessen das souveräne Zusammenspiel von Präzision und Sensibilität in einem gesellschaftlichen Rahmen, der seine Indifferenz kontaminiert. Um dieser Art von Autonomie geht es; um diese manifestierte letzte Freiheit, die wir haben.

 

Weltweit geraten Demokratien unter Druck. Das Wiener Forum setzt sich in einem inter­disziplinär aus­gerichteten Blog mit grund­legenden Fragen des Schutzes und der Förderung der Demokratie und der Menschen­rechte auseinander. In Spotlights, Analysen und wissenschaftlichen Beiträgen finden Sie fundierte Analysen zum Zeit­geschehen und Impulse zu rechtlichen, politischen und zivil­gesell­schaftlichen Wider­stands­formen. Das Projekt ist unserem Kollegen Hannes Tretter in memoriam gewidmet.