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Spotlight
Haralampi G. Oroschakoff

Wenn kreative Bewegung sichtbar wird, ist der Betrachter angerufen, sein Denken und seine ange­nommenen Vorstellungen zu hinterfragen und im Zweifel zu erneuern. Der Künstler propagiert eine an Brutalität grenzende Sachlichkeit, die keine Vorlieben, keine Therapieersatzspiele, oder kleinbürger­liche Autonomieillusionen bedient, stattdessen das souveräne Zusammenspiel von Präzision und Sensibilität in einem gesellschaftlichen Rahmen, der seine Indifferenz kontaminiert. Um dieser Art von Autonomie geht es; um diese manifestierte letzte Freiheit, die wir haben.

Analyse
Ronny Tekal
Und was lässt sich daraus für demokratische Aushandlungsprozesse ableiten?

Gesellschaftlich waren die Prioritäten bekanntlich unterschiedlich gelagert. Einer großen Zahl an Menschen, für die Gesundheit das höchste Gut war, die als Early Birds in der Impfstraße schon angestanden sind, als die Fledermaus in Wuhan noch nicht einmal gehustet hat, stand eine Minderheit gegenüber, die gemeint hat „nicht alles ist Gesundheit, die Freiheit ist das höchste Gut“ - Menschen, die aus Prinzip die Maske unterm Kinn getragen haben, da die Freiheit der Nase unantastbar ist. Demokratiepolitisch bedenklich war es jedoch, als man begann, Fakten mit Meinungen zu vermischen, einen kritischen Diskurs zu verweigern, mit dem Argument, dass es eben nicht mehrere Wahrheiten geben könne.

Buchauszug
Jagoda Marinić
Auszug aus Jagoda Marinićs Buch „Sanfte Radikalität. Zwischen Hoffnung und Wandel“ (2024)

Die Herausforderung besteht darin, genauer hinzusehen, nicht in Freund-Feind-Lagern zu den­ken und zu argumentieren, auch wenn viele Diskussionen derzeit den Eindruck erwecken, die Gesellschaft sei bei vielen Themen gespalten. Innerhalb der vermeintlichen Spaltung finden sich zahlreiche Nuancen, innerhalb vermeintlich homogener Gruppen findet sich nach wie vor eine Vielzahl an Meinungen. Diese aus dem Streit, der wirkt, als hätte ihn ein Twitter-Algorithmus geschaffen, wieder herauszudenken hin zu einer Diskussion, die eine Vielzahl von Perspektiven ertragen kann, das ist die demokratische Aufgabe der Zukunft.

Analyse
Gerhard Ruiss
Politik, frei von der Leber weg und ohne alle „Zensur“

Es war noch nie leicht, die richtigen Worte für das Ungeheuerliche in der Politik und in der Geschichte zu finden, es ist umso schwerer, wenn als gesichert geltende Einstufungen unter­wandert werden. Es ist aber dringender notwendig denn je, die sich als Wahrheiten ausgeben­den Behauptungen Überprüfungen zu unterziehen. Die vier größten österreichischen Schrift­steller- und Schriftstellerinnenvereinigungen haben daher gemeinsam mit ihren gleichartigen Verbänden in der Schweiz, in Deutschland und in Südtirol eine gemeinsame Plattform mit dem Titel Der Wert der Demokratie und ein Lexikon der demokratiefeindlichen Begriffe gegründet, mit denen sie Klarstellungen zu schaffen versuchen.

Spotlight
Martina Fürpass

Mir ist klar, dass alles Private politisch ist, dass Wählen mein Recht ist, dass ich mir Informa­tionen besorgen kann, mein Recht auf freie Meinungsäußerung zu nutzen weiß, an Demonstra­tionen & Kundgebungen teilnehme. Aber wie ist das für jene Mädchen, junge Frauen und TIN*-Personen, die mehrfach Diskriminierung erleben aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Herkunft, ihrer sexuelle Orientierung, die betroffen sind von Rassismus, Armut, Bildungsungleichheit, Sexismus, Gewalt, Fluchterfahrung... Was bedeutet Demokratie für sie? 

 

Weltweit geraten Demokratien unter Druck. Das Wiener Forum setzt sich in einem inter­disziplinär aus­gerichteten Blog mit grund­legenden Fragen des Schutzes und der Förderung der Demokratie und der Menschen­rechte auseinander. In Spotlights, Analysen und wissenschaftlichen Beiträgen finden Sie fundierte Analysen zum Zeit­geschehen und Impulse zu rechtlichen, politischen und zivil­gesell­schaftlichen Wider­stands­formen. Das Projekt ist unserem Kollegen Hannes Tretter in memoriam gewidmet.